Typologie der Kaffeetrinker: Die Latte-Mum

Kinderwagen blockieren den Eingang des Cafés. Die Milchvorräte im Lager neigen sich gefährlich dem Ende zu. Lautes Gerede dringt aus dem Inneren. Willkommen im natürlichen Lebensraum der sogenannten Latte-Mum: dem Coffeeshop.

Die Latte-Mum ist auf dem Weg zu Ihrem Lieblingscafé. Mit im Gepäck: Kinderwagen und Thermobecher. Ihre Kollektion bunter Mehrwegbecher ist beeindruckend, ebenso wie Ihr literweiser Konsum von Latte Macchiatos. Deshalb ist das große Glas Milch mit einem Hauch von Espresso auch namensgebend für diesen Kaffeetrinker-Typen.

Als Latte-Mum hat sie nicht nur ein Faible für Latte Macchiato. Nein, sie liebt grundsätzliche alles, was die Milch-Palette hergibt: Café au lait, Chai Tea Latte, Cappuccino, Moccacino oder Milchkaffee, um nur einige zu nennen. Gerade als vielbeschäftigte „Mum“ ist Kaffee ihr täglicher Ruhepol. Ihre kleine Pause von den Anstrengungen des Alltags, am liebsten zusammen mit ihren Freundinnen – meist selber alles „Mums”.

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Das Café als natürlicher Lebensraum

Wenn sie nicht gerade auf Spielplatz-Mission ist, bevorzugt sie für ihre Pause Läden, die aussehen, als hätten sich Großmutters Möbel in einen urbanen Coffeeshop verirrt. Die Gute ist trendbewusst: Ohne stylisch gestreiften Strohhalm schmeckt selbst das milchigste Mitglied der italienischen Kaffeefamilie nicht so recht. Dokumentiert wird die trendy Auszeit natürlich via Instagram.

Eine Latte-Mum kommt bekanntlich selten allein, deshalb werden die aufgesuchten Cafés zur regelrechten Sperrzone. Andere Gäste müssen sich ihren Weg zum Tresen erst über drei Kinderwagen und bombastische Windeltaschen bahnen. Untermalt von einem Soundteppich stundenlanger Unterhaltungen der Latte-Mums. Ob über die neuesten Foodblogs, skandinavische Inneneinrichtungs-Trends, exotische Reiseziele oder die Wachstumsfortschritte ihrer Kinder.

So vielfältig wie die verschiedenen Milchsorten, sind auch die unterschiedlichen Ausprägungen der Latte-Mums:

Die Soja-Mum

Seinen Kaffee mit Sojamilch zu trinken ist ein weit verbreiteter Trend, aber auch ein heiß diskutierter. Besonders wenn man die Anbaubedingungen von Soja näher betrachtet. Von derartigen Diskussionen lässt sich die Soja-Mum aber wenig beeindrucken. Fast dogmatisch vermeidet sie jeden Tropfen Kuhmilch. Warum, weiß sie manchmal auch nicht mehr genau: „Machen doch alle so, oder?”

Die Landmilch-Mum

Nur das Beste vom Bauernhof holt sich die Landmilch-Mum in ihr Latte-Glas. Vollmundig und ab einem Fettgehalt von 3,5% aufwärts. Denn nur dieser Milch schmeckt man noch an, welche Grassorte die Kuh vier Tage zuvor gegessen hat. Meint die Landmilch-Mum zumindest. Bevorzugt regional und bio. Die Milch, nicht die Mum.

Die Laktosefrei-Mum

Etwas nörgeligerer Natur ist die Laktosefrei-Mum. Da sie trotz diverser Unverträglichkeiten nicht auf ihre drei täglichen Latte Macchiati aus Kuhmilch verzichten möchte, bleibt ihr nur der Pfad der Laktosefreiheit. Manchmal wirkt sie dabei ungewollt wählerisch. Zum Beispiel, wenn sie krampfhaft versucht am Milchschaum zu erriechen, ob sie nicht doch den falschen Latte bekommen hat.

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Eine Latte-Mum ist überall Latte-Mum. Und wenn es ihr im Café einmal zu voll wird, holt sie sich den Coffeeshop eben nach Hause. Per Knopfdruck gibt es für sie und ihre Gäste dann alles, was das Kaffeespektrum bietet – von Ristretto über Cappuccino bis zum obligatorischen Latte Macchiato.

Die Latte-Mum

  • *Woran erkennen Sie sie? * Dezente Milchschaumreste an der Oberlippe.
  • Was sagt sie zu Ihnen? „Ist das okay so mit dem Kinderwagen? Oder stört der?”
  • *Was passiert beim gemeinsamen Kaffeetrinken? * Sie verquatschen sich für etwa zwei Stunden.
  • *Was können Sie von ihr lernen? * Sich mal wieder etwas Zeit für sich selbst zu nehmen.
  • *Wie gehen Sie am besten mit ihr um? * Gemeinsam mit ihr von Café zu Café ziehen.

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